Wo brauche ich eine Hundehaftpflicht?

Die Hundehaftpflicht-Pflicht,
Hundegesetze und Verordnungen der Bundesländer

Jedes deutsche Bundesland hat konkrete Vorschriften zur Hundehaltung. In einigen Ländern beschränken sich die Regeln auf die Haltung von so genannten Kampfhunden, die potentiell gefährlich für Mitmenschen sind. In anderen wird sogar der Abschluss einer Hundehaftpflichtversicherung vorgeschrieben, um sicher zu stellen, dass Schäden, die der Hund verursacht, auch gedeckt werden. Lesen Sie weiter, um zu erfahren, ob Sie in einem Bundesland mit Pflicht zur Hundehaftpflicht leben und wie Sie die passende Versicherung finden.

Jack Russell will jetzt spazieren gehen

© javier brosch / fotolia

In diesen Ländern ist die Hundehaftpflicht Pflicht – für alle Hunde

In den letzten Jahren haben Hamburg, Berlin, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen die gesetzliche Pflicht zur Hundehaftpflichtversicherung für alle Hunde unabhängig von ihrer Rasse eingeführt. Mit diesem Schritt wollten die Länder die kleinen und größeren Schäden absichern, die Hunde verursachen können – angefangen bei zerbrochenen Vasen und zerkauten Schuhen bis hin zu Unfällen mit Radfahrern oder Fußgängern. Die Hundehaftpflicht deckt die Kosten aus solchen Schäden, so dass Sie als Hundehalter sie nicht selbst zahlen müssen. Außerdem stellt eine Hundehaftpflicht sicher, dass Geschädigten ihre Schadensersatzansprüche vergolten werden und hat daher auch den Zweck der gegenseitigen Absicherung.

Hundehaftpflicht-Pflicht Berlin

Berlin war 2005 das erste Bundesland, das eine allgemeine Pflicht zur Hundehaftpflichtversicherung einführte. Das Berliner Hundegesetz schreibt eine Deckungssumme von mindestens einer Million Euro vor. Immer wieder ist auch ein verpflichtender „Hundeführerschein“ für große Hunde ab 40 cm Schulterhöhe im Gespräch.

Hundehaftpflicht-Pflicht Hamburg

Im Jahr 2006 folgte Hamburg und führte neben der Hundehaftpflicht-Pflicht auch die Verpflichtung zur Anmeldung im Hunderegister und dem Chip-Implantat ein. Wie in Berlin, muss auch in Hamburg die Deckungssumme mindestens eine Million Euro betragen. Versäumt ein Hundehalter, eine Hundehaftpflichtversicherung abzuschließen, beträgt das Bußgeld 100 bis 600 Euro. Übrigens herrscht in Hamburg seit 2007 auch eine allgemeine Anleinpflicht.

Hundehaftpflicht-Pflicht Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt müssen seit 2009 alle Hunde ab einem Alter von drei Monaten hundehaftpflichtversichert und ins amtliche Register eingetragen werden. Die Deckungssummen müssen für Personen- und Sachschäden mindestens eine Million Euro betragen, für sonstige Schäden mindestens 50.000 Euro.

Hundehaftpflicht-Pflicht Schleswig-Holstein

Als eines der letzten Bundesländer führte zum 01. Januar 2016 auch Schleswig-Holstein die gesetzliche Pflicht zur Hundehaftpflichtversicherung für alle Hunde, unabhängig von deren Rasse, ein. Die Mindestdeckungssumme beträgt 500.000 Euro für Personen- und 250.000 Euro für Sachschäden. Außerdem muss jeder Hund, der älter als 3 Monate ist, einen Chip zur Identifizierung tragen.

Hundehaftpflicht-Pflicht Niedersachsen

In Niedersachsen besteht die Pflicht zur Hundehaftpflicht seit 2011 für alle Hunde, die älter als sechs Monate sind. Mit 500.000 Euro für Personenschäden und 250.000 Euro für Sachschäden sind die vorgeschriebenen Mindest-Deckungssummen vergleichsweise gering, so dass niedersächsische Hundehalter auch mit einer günstigen Hundehaftpflicht auf der sicheren Seite sind. Gleichzeitig wurde, ähnlich wie in Hamburg, eine Chip-Pflicht eingeführt.

Hundehaftpflicht-Pflicht Thüringen

Thüringen führte ebenfalls 2011 die verpflichtende Hundehaftpflicht ein. Die Mindest-Deckungssummen betragen 500.000 Euro für Personenschäden und 250.000 Euro für Sachschäden – damit ist eine vergleichsweise günstige Hundehaftpflicht in Thüringen ausreichend. Eine Pflicht zum Chip-Implantat wurde gleichzeitig eingeführt.

Pflicht zur Hundehaftpflicht für Kampfhunde in 15 Bundesländern

Mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern müssen „Kampfhunde“, also Listenhunde, in allen Bundesländern haftpflichtversichert werden, also in Schleswig-Holstein, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, im Saarland, in Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Brandenburg. Diese Vorschriften bauen auf den Rasselisten der Länder auf, die festhalten, welche Hunderassen als überdurchschnittlich gefährlich gelten und daher strengeren Haltungsrichtlinien unterliegen. Ob Sie Ihren Hund in Ihrem Bundesland also haftpflichtversichern müssen, hängt davon ab, ob er dort als „Kampfhund“ gelistet ist.

Welche Hunde gelten in den 15 Ländern als Kampfhunde?

Jedes der 15 Bundesländer, in denen die Hundehaftpflicht Pflicht ist, hat jeweils eine Rassenliste. Hunde der gelisteten Rassen gelten als überdurchschnittlich gefährlich und müssen daher haftpflichtversichert werden, um potentielle Schäden zu decken.

Warum müssen Listenhunde haftpflichtversichert werden?

Die Festlegung der Liste gefährlicher Hunde aufgrund ihrer Rasse ist durchaus umstritten – so argumentiert beispielsweise der Verband für das Deutsche Hundewesen, dass die Gefährlichkeit eines Hundes nicht wesentlich von seiner Rasse bestimmt wird, sondern vielmehr von seiner Erziehung und Haltung. Vertreter der Contra-Position, beispielsweise die Innenminister der Länder, verweisen hingegen auf Statistiken, die besagen, dass Listenhunde häufiger Menschen und andere Hunde attackieren. Allerdings sind diese Zahlen nur bedingt aussagekräftig, da die Gesamtanzahl der Beißvorfälle in Deutschland eher gering ist: Im Zeitraum von 1998 bis 2007 gab es in Deutschland insgesamt 39 Todesfälle nach Hundebissen (alle Hunderassen).

Am Beispiel Berlins lässt sich die Verhältnismäßigkeit der Zahlen gut darstellen: Zwischen 1998 und 2007 wurde in Berlin kein Todesfall nach einem Hundebiss registriert. Im Jahr 2007 gab es in Berlin 859 Vorfälle, bei denen Menschen durch Hunde verletzt oder gefahrdrohend angesprungen wurden. Davon wurden 43 Vorfälle von Listenhunden verursacht (Quelle). Im Jahr 2013 lag die Anzahl der Verletzungen durch gefährliche Hunde bei 35 und damit nur geringfügig niedriger (Quelle). Eine Kausalität bei einer solchen, verhältnismäßig dünnen Datengrundlage festzustellen, ist schwierig. Fest steht jedoch: Solange die Debatte um Listenhunde anhält, gilt weiterhin die aktuelle Gesetzeslage, die besagt, dass diese zwingend haftpflichtversichert werden müssen.

Jetzt Hundehaftpflicht für Listenhunde finden

Es ist nicht immer leicht, eine Hundehaftpflicht für Listenhunde zu finden. Einige Versicherer lehnen Listenhunde kategorisch ab, obwohl sie durch die gesetzlichen Vorschriften der Länder regen Zulauf haben könnten. Das Problem: Die Versicherer argumentieren ebenso wie die Länder-Regierungen mit einem höheren Gefährdungspotential, das von Listenhunden ausginge. Es gibt jedoch auch Versicherer, die als „Kampfhunde“ gelistete Rassen versichern – meist jedoch für einen höheren Beitrag als andere Rassen. In unserer Kampfhunde-Rubrik finden Sie weitere Informationen zu den Rassenlisten und der Haftpflicht für Kampfhunde. Sind Sie schon gut informiert? Dann gelangen Sie hier direkt zum Hundehaftpflicht-Vergleich, in dem Sie den passenden Tarif finden:

Sonderfall Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige deutsche Bundesland, das selbst für Listenhunde keine gesetzliche Pflicht vorschreibt, eine Hundehaftpflicht abzuschließen. Das bedeutet jedoch nicht, dass es generell keine Auflagen für die Hundehaltung gibt! In der mecklenburgischen Hundehalterverordnung ist genau festgelegt, wie ein Halter mit seinem Hund umzugehen hat: Neben einer allgemeinen Aufsichtspflicht gilt, dass der Hund ein Halsband mit dem Namen und der Anschrift des Halters tragen muss, sobald er sich außerhalb des Grundstücks bzw. der Wohnung befindet. Das Grundstück selbst muss gegen eine Flucht des Hundes gesichert werden. In öffentlichen Orten mit großen Menschenansammlungen, auf öffentlichen Veranstaltungen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, Verkaufsstätten und Tiergärten muss jeder Hund an der Leine geführt werden.

Vorsicht ein bißchen Hund

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Weitaus strengere Auflagen gelten für die Haltung von gefährlichen Hunden, so genannten Kampf- oder Listenhunden. Auf der Rassenliste Mecklenburg-Vorpommerns stehen derzeit der American Pitbull Terrier, der American Staffordshire Terrier, der Bullterrier und der Staffordshire Bullterrier. Hunde dieser Rassen dürfen nur gehalten werden, wenn der Halter nachweislich geeignet und zuverlässig ist sowie die Zugänge zu seinem Grundstück, auf dem der Hund frei laufen darf, mit Hinweisschildern (z.B. „Vorsicht, bissiger Hund“) versieht. Außerhalb des eigenen Grundstücks darf eine Person nicht mehr als einen Listenhund gleichzeitig führen, der Leinenzwang gilt uneingeschränkt (auch auf den Zuwegen zum Grundstück) und die Leine darf höchstens zwei Meter lang sein. Die Mitnahme von Listenhunden auf Kinderspielplätze, Liegeflächen und Badestellen ist in Mecklenburg-Vorpommern generell verboten. Außerdem müssen bissige Hunde einen Maulkorb tragen, sobald sie sich außerhalb des eigenen Grundstücks befinden. Das Bußgeld bei einem Verstoß gegen die Hundeverordnung kann bis zu 5.000 Euro betragen.

Hundehaftpflicht auch in Mecklenburg-Vorpommern sinnvoll

Da Mecklenburg-Vorpommern das einzige Bundesland ist, welches für Listenhunde keine Pflicht zur Hundehaftpflicht vorsieht, obwohl es eine eigene Rassenliste führt, ist es für die Halter von Listenhunden dennoch sinnvoll, eine Hundehaftpflichtversicherung abzuschließen. Selbst, wenn Sie einen Terrier besitzen, der gut erzogen ist und keinen Personenschaden verursachen würde, so geht mit einem Hund stets ein gewisses Risiko einher – und sei es nur die umgeworfene Porzellanfigur, die auf dem Couchtisch stand.

Hier zahlte die Hundehaftpflicht! Die spannendsten Urteile

Eine Hundehaftpflicht deckt nicht nur die Kosten und Schadensersatzansprüche, die aus alltäglichen Sach- und unglücklich verlaufenen Personenschäden entstehen. Auch Mietsachschäden, ungewollte Deckung und viele andere Fälle können mitversichert sein. Ist ein Fall nicht völlig klar, landet er vor Gericht – und die Entscheidungen der Richter sind oft ein Augenmerk wert, wenn Sie sich für eine Hundehaftpflicht interessieren.

Rheinland-Pfalz: Alle Zahlen bei Beißerei

Das Landgericht Mainz (Az. 3 S 8/04.) hat den Fall einer Beißerei mehrerer Hunde verhandelt. Einer der Halter wollte die Beißerei beenden und wurde dabei verletzt. Unklar war, wer die Kosten tragen würde. Das Landgericht Mainz entschied, dass die Halter aller beteiligten Hunde zu gleichen Teilen für den Schaden haftbar sind. Hoffentlich hatten alle Halter eine Hundehaftpflicht!

Kostenbeispiel:
Der mutige Hundehalter, der die Tiere von einander trennen wollte, erlitt eine Bisswunde am rechten Unterarm. Er musste im Krankenhaus behandelt werden und einige Wochen lang Medikamente gegen die Schmerzen einnehmen. Da der Hundehalter als Buchhalter arbeitet, war er durch den Hundebiss am Arm zudem für vier Wochen arbeitsunfähig.

Die Schadenssumme setzt sich in diesem Beispiel folgender Maßen zusammen:

Krankenhausaufenthalt:300 Euro
Nachsorge beim Hausarzt:500 Euro
Medikamente:100 Euro
Arbeitsausfall:2000 Euro

Damit beläuft sich die Schadenssumme auf insgesamt 2900 Euro. Nehmen wir an, es waren drei Hundehalter am Unfall beteiligt, müsste jeder von ihnen 966 Euro aus eigener Tasche zahlen, wenn er keine Hundehaftpflichtversicherung hat.

Nordrhein-Westfalen: Auffahrunfall durch Tier

Das Landgericht Paderborn (Az. 5 S 181/00) entschied in einem Fall, in dem innerorts ein Tier auf die Straße lief, wodurch ein Autofahrer bremsen musste und ihm ein anderer Verkehrsteilnehmer auffuhr. Dieses Bremsmanöver war laut des Landgerichts nicht fahrlässig, so dass die Kfz-Haftpflicht des auffahrenden Verkehrsteilnehmers zahlen muss. Für die Tierhalterhaftpflicht wäre dies somit kein Fall.

Niedersachsen: Hundehaftpflicht bezahlt Gebiss

Das Landgericht Hannover (Az. 18 S 86/04) entschied, dass ein Gebiss, welches ein Hund aus einem Badezimmer davon trug und im Garten vergrub, von die Hundehaftpflichtversicherung des Hundehalters ersetzt werden muss. Gut zu wissen!

Kostenbeispiel:
Eine Vollprothese für den Ober- und Unterkiefer kann inklusive Zahnarzt-Honorar, Labor- und Materialkosten rund 1500 Euro kosten.

Jogger und Hund liefern sich ein Rennen

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Rheinland-Pfalz: Jogger ist selbst Schuld

Normaler Weise haftet die Hundehaftpflicht eines Tierhalters für Personenschäden. Das Oberlandesgericht Koblenz entschied in einem Fall anders: Ein Jogger näherte sich einem frei laufenden Hund, ohne langsamer und vorsichtiger zu werden. Er stolperte über den Hund, fiel zu Boden – und muss für 30% des entstandenen Schadens selbst aufkommen, da er achtsamer hätte sein können. Die übrigen 70% begleicht die Hundehaftpflicht des Hundehalters.

Nordrhein-Westfalen: Haftung für Sturz über schlafendes Tier

Stolpert ein Kunde über ein schlafendes Tier, das im Eingang eines Geschäftes liegt, haftet der Halter für die Schäden. So hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden (Az.: 19 U 96/12). Eine Hundehaftpflicht tritt hier in der Regel ein und begleicht die Kosten.

Kostenbeispiel:
Nehmen wir an, dass der Kunde sich beim Sturz ein Bein brach, für mehrere Tage im Krankenhaus bleiben musste und ebenfalls nicht arbeitsfähig war. Die Kosten wären in diesem Fall ähnlich zusammengesetzt wie beim gebissenen Hundehalter aus Mainz:

Krankenhausaufenthalt:3000 Euro
Nachsorge beim Hausarzt:500 Euro
Medikamente:300 Euro
Arbeitsausfall:4000 Euro

Zusätzlich könnte der Geschädigte auf Schadensersatz klagen. Damit beliefen sich die Gesamtkosten auf 7800 Euro – eine Summe, die durchaus die Existenz bedrohen kann, falls man sie selbst zahlen muss. Umso besser, wenn eine Hundehaftpflicht einspringt und die horrenden Kosten übernimmt.

Hessen: Aufsichtspflicht verletzt

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main (Az.: 1 U 37/98) entschied in folgendem Fall: Zwei ältere Damen gingen mit ihren Hunden spazieren, wobei eine der Damen stürzte und sich verletzte. Die Angaben, wie es zum Sturz kam, waren widersprüchlich. Die Klage der gestürzten Dame auf Schadensersatz wegen ihrer Verletzungen wurde abgewiesen, da sie nicht in der Lage gewesen sei, ihren Hund (ein Mischling) zu führen und zu beaufsichtigen. Aus dem gleichen Grund würde auch die Hundehaftpflicht die Deckung der Kosten ablehnen.

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Ansammlung versicherter Hunde

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